11. Oktober 2024 / Aus aller Welt

Mutmaßlicher Brandstifter in Krefelder Kino niedergeschossen

In einem Kino in Krefeld schießt die Polizei auf einen Verdächtigen. Der soll dort Benzin vergossen und versucht haben, es anzuzünden. Der NRW-Innenminister spricht von versuchtem Mord.

Der NRW-Innenminister spricht von einem versuchten Mord.
Veröffentlicht am 11. Oktober 2024 um 23:32 Uhr

Kurz nach Mitternacht wird es hell am Krefelder Hauptbahnhof. Die Spurensicherung hat am benachbarten Kino-Komplex das Flutlicht eingeschaltet. Beamte in weißen Schutzanzügen fotografieren blutige Kleidungsstücke und zertrümmerte Glasscheiben. Drinnen warten Kino-Mitarbeiter darauf, die Blutspuren entfernen zu dürfen.

Dort hat die Polizei etwa vier Stunden zuvor einen 38-jährigen Mann mit mindestens einem Schuss niedergestreckt - er kommt schwer verletzt in ein Krankenhaus. Zuvor waren in kurzer Abfolge Brände in der Krefelder Innenstadt gemeldet worden. Daraufhin löste die Polizei Großalarm aus. Weitere Menschen wurden laut Polizei nicht verletzt.

Durch die Innenstadt zieht sich eine Spur der Zerstörung. Den Ermittlungen zufolge hatte der 38-jährige Krefelder mit iranischer Nationalität zunächst einen Minibus der ambulanten Caritas-Drogenhilfe angezündet. Dann soll der Mann Feuer in seiner Dachgeschosswohnung gelegt und danach einen Brandsatz in das Gebäude der Arbeitsagentur geworfen haben. 

Flüssigkeit aus Benzinkanister verschüttet

Auf dem Weg in Richtung Hauptbahnhof soll der Verdächtige dann einen 16-jährigen Jugendlichen mit einem Messer bedroht haben. Schließlich soll der bereits polizeibekannte Mann im Foyer des Kinos neben dem Hauptbahnhof Flüssigkeit aus einem Benzinkanister verschüttet haben. Benzingeruch breitet sich aus. 

Als er versucht habe Feuer zu legen, schießt ein Polizist und verletzt den Mann. Er kommt in ein Krankenhaus, ist laut Polizei aber nicht in Lebensgefahr. Die genaue Motivlage sei noch unklar, teilt die Polizei Essen mit. Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Flüchtlingsministeriums ist der Iraner erstmals 2002 nach Deutschland eingereist und besitzt eine Duldung. 

Verdächtiger wohl psychisch auffällig

«Wenn einer in einem Kino mit 150 Leuten Benzin vergießt und versucht, einen Brand zu legen, ist das versuchter Mord», sagt NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) in Neuss bei Düsseldorf der Deutschen Presse-Agentur. «Es ist nicht das erste Mal, dass der Mensch aufgefallen ist. Er ist mehrfach aufgefallen - als jemand, der Ärger macht.» 

Wie der «Kölner Stadt-Anzeiger» erfuhr, hatte das Landgericht den Iraner im Juli 2010 zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Liste der damit geahndeten Verbrechen ist lang: gefährliche Körperverletzung in zwei Fällen, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, versuchte Vergewaltigung, Bedrohung und Sachbeschädigung.

Wie die Zeitung weiter berichtete, nutzte der psychisch auffällige Iraner diverse falsche Namen. Am 8. Oktober habe er einen Sachbearbeiter des Krefelder Ausländeramts bedroht, der ihm nur eine weitere Aufenthaltserlaubnis unter seinem richtigen Namen ausstellen wollte.

Am Donnerstag habe die Polizei den Mann sehr schnell aus dem Verkehr ziehen können, sagte Reul. «Das wäre echt dramatisch geworden.» Für eine abschließende Einschätzung sei es noch zu früh. «Aber nach jetzigem Stand sieht es danach aus, dass es ein Mensch ist, der psychische Probleme hatte.»

Mitarbeiter: Etwa 150 Menschen im Kinokomplex

Ein Kino-Mitarbeiter lobt das schnelle Eingreifen der Polizei, «ansonsten wäre das hier eine Katastrophe geworden», meint er. Nach seinen Angaben befanden sich zum Zeitpunkt der Tat etwa 150 Menschen in dem Gebäude, verteilt auf mehrere Kinosäle. Einige Kinobesucher seien Zeugen des Geschehens geworden, sagt ein Polizeisprecher. Mehrere Personen seien von Notfallseelsorgern betreut worden. 

Der Krefelder Hauptbahnhof war gegen Mitternacht noch gesäumt von Polizeiwagen. Direkt vor dem Portal steht ein Auto mit der Aufschrift «Notfallseelsorge» mit Warnblinkanlage. Die meisten Schaulustigen haben das Weite gesucht. Es regnet.


Bildnachweis: © Christoph Reichwein/dpa
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