12. Juni 2025 / Aus aller Welt

Amokläufer von Graz war «psychisch untauglich» für Armee

Der Amokschütze von Graz war ein extrem introvertierter Mensch, der leidenschaftlich Ego-Shooter-Spiele spielte. Der Grund für die Tat ist weiter unklar.

Die Behörden geben weitere Einzelheiten zum Amokläufer bekannt.
Veröffentlicht am 12. Juni 2025 um 19:13 Uhr

Der Amokläufer von Graz war 2021 beim österreichischen Bundesheer durch die psychische Tauglichkeits-Prüfung gefallen. Er sei bei der Musterung als psychisch untauglich für den Wehrdienst befunden worden, bestätigte der Sprecher des Bundesheers, Michael Bauer, auf der Plattform X. Zuerst hatte der Sender ServusTV darüber berichtet. Einen Test auf psychische Eignung, der für die Waffenbesitzkarte nötig war, bestand er in diesem Frühjahr.

Die Polizei beschrieb den 21-jährigen Österreicher als leidenschaftlichen Spieler von Ego-Shooter-Spielen. Er sei sehr introvertiert gewesen und habe zurückgezogen gelebt, sagte der Leiter des Landeskriminalamts Steiermark, Michael Lohnegger. Es geb noch kein Hinweis auf ein Motiv.

Der Täter hatte am Dienstag an seiner ehemaligen Schule mit einer Pistole und einer abgesägten Schrotflinte ein Blutbad angerichtet. Er erschoss neun Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren und eine Lehrerin, die ihn unterrichtet hatte. Er hatte die Schule abgebrochen. Nach der Tat beging er Suizid. 

Elf Menschen wurden verletzt. Die meisten mussten auf Intensivstationen betreut werden. Ihr Gesundheitszustand sei inzwischen stabil, hieß es vom Krankenhausbetreiber Kages. 

Gedenken im Dom

Im Stephansdom in Wien kamen Menschen am Abend zu einem Gedenkgottesdienst für die Opfer und die Angehörigen zusammen. Unter anderem waren Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Bundeskanzler Christian Stocker dabei. Vertreter der katholischen und der evangelischen Kirche und ein Imam der islamischen Religionsgemeinde Wien spendeten mit Gebeten Trost. «Die Wunden, die der schreckliche Amoklauf [...] gerissen hat, bleiben», sagte der Administrator der Erzdiözese Wien, Josef Grünwidl, bei der Begrüßung.

Sieben Minuten Horror

Der Amoklauf habe sieben Minuten gedauert und sei bis ins Detail geplant gewesen, berichtete die Polizei. Der Täter sei mit einer Pistole der Marke Glock, einer am Schaft abgesägten Doppelflinte und einem Jagdmesser bewaffnet gewesen. Er habe eine Schieß-Brille sowie ein Head-Set getragen. 

Zum Zeitpunkt des Amoklaufs befanden sich laut Polizei 350 bis 400 Schüler in dem Gebäude. Die Schule habe «sehr gut» auf den Angriff reagiert. Klassenzimmer seien zugeschlossen worden und Schüler und Lehrer hätten versucht, Türen zu verbarrikadieren. Das richtige Verhalten in solche Szenarien werde immer wieder besprochen, teilte die Schulleitung mit. 

Wahllos auf Opfer geschossen

Zunächst schoss der Amokschütze nach Polizeiangaben im 2. Stock des Gebäudes wahllos auf Menschen. Danach habe er im 3. Stock eine inzwischen von innen verriegelte Tür aufgeschossen. Praktisch zeitgleich mit dem Eintreffen der Polizei habe er sich mit einem Schuss in den Kopf selbst getötet. Der 21-Jährige habe noch genügend Munition gehabt, seinen Amoklauf fortzusetzen, sagte Lohnegger. Bei einer Hausdurchsuchung am Wohnort des Angreifers entdeckten Ermittler auch eine Rohrbombe, die allerdings nicht funktionstüchtig war. 

Debatte um Waffenrecht hat begonnen

Nach Schock und Trauer kommt in Österreich nun eine Diskussion über das relativ liberale Waffenrecht in Gang. Bislang haben sich Kommunisten und Grüne für eine Verschärfung ausgesprochen, die rechte FPÖ ist dagegen. 

Sorgen wegen Trittbrettfahrern

Die Sicherheitsbehörden berichteten von weiteren vereinzelten Drohungen gegen Schulen. Es habe Trittbrettfahrer gegeben, heiß es beim Innenministerium. Die Polizei habe jeweils Maßnahmen ergriffen. Im ganzen Land sind die rund 400 Mitglieder der Spezialeinheit Cobra in erhöhter Alarmbereitschaft.

Nach einer Bombendrohung wurde in Wien ein zentraler Platz und Verkehrsknotenpunkt gesperrt. Ein Unbekannter hatte ein Paket in das Foyer der Technischen Universität geworfen und angekündigt: «Gleich macht es Bumm», sagte eine Polizeisprecherin. Nach Räumung des Gebäudes untersuchten Sprengstoff-Experten das Paket. Es war ungefährlich. 

Die Wiener Polizei ermittelt nach eigenen Angaben seit zwei Wochen gegen einen Zwölfjährigen, der auf Tiktok mehreren Mädchen aus seiner Schule mit sexueller Gewalt und dem Tod gedroht haben soll. Der Strafunmündige bestreitet den Vorwurf. Die Ermittler sehen auch keine Parallele zu dem Fall in Graz.


Bildnachweis: © Darko Bandic/AP/dpa
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