26. November 2025 / Aus aller Welt

Menschenhandel in Portugal: Elf Polizisten festgenommen

Auch Deutschland importiert aus Portugal viele Agrarprodukte. Dass die Arbeitsbedingungen auf den Höfen dort nicht immer gut sind, ist kein Geheimnis. Ein aktueller Fall sorgt nun für großes Aufsehen.

Die befreiten Migranten wurden laut Polizei oft geschlagen.
Veröffentlicht am 26. November 2025 um 16:10 Uhr

Elf Polizisten sind in Portugal unter dem Vorwurf des Menschenhandels festgenommen worden. Die zehn Angehörigen der Nationalgarde GNR und ein Beamter der Stadtpolizei PSP werden beschuldigt, sich über Jahre hinweg an einem großangelegten System zur Ausbeutung von illegal eingereisten Arbeitskräften in der Landwirtschaft beteiligt zu haben, wie die Kriminalpolizei (PJ) und die GNR in Lissabon mitteilten.

Die gewalttätige, «mafiös strukturierte» kriminelle Organisation sei nach monatelangen Ermittlungen und mehreren Einsätzen in den vergangenen Tagen zerschlagen worden. Ein indischer Staatsbürger, der als mutmaßlicher Kopf des Netzwerks gilt, sei allerdings dem Zugriff entkommen. Der Mann werde aber mit Hochdruck gesucht.

Migranten fast wie Sklaven gehalten

Den Ermittlern zufolge hat die Bande Hunderte zumeist illegale Migranten in Agrarbetrieben in den Regionen um Beja, Portalegre, Figueira da Foz und Porto unter sklavenähnlichen Bedingungen gehalten. Die Opfer seien oft geschlagen und unter Androhung von Gewalt von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang zur pausenlosen Arbeit auf den Feldern gezwungen worden.

Untergebracht wurden die Betroffenen der Mitteilung der PJ zufolge in provisorischen Unterkünften, häufig in baufälligen Gebäuden. Für bereitgestellte Matratzen und für Lebensmittel und Getränke hätten sie bezahlen müssen. Alle Papiere seien ihnen abgenommen worden.

Den Tätern droht jahrelange Haft - vielen Opfern die Abschiebung

Mehr als 300 Ermittler waren an rund 50 Durchsuchungen beteiligt. Im Rahmen der Operation «Safra Justa» (Faire Ernte) seien insgesamt 17 Personen festgenommen worden. Sie sollen am Donnerstag dem Untersuchungsrichter in Lissabon vorgeführt werden. Neben Menschenhandel werde ihnen Beihilfe zur illegalen Einwanderung, Urkundenfälschung, Steuerbetrug, Geldwäsche, aktive und passive Korruption sowie Amtsmissbrauch zur Last gelegt.

Die befreiten Migranten wurden zum Luftwaffenstützpunkt in Beja gebracht. Dort sollen sie bald befragt werden. Vielen droht trotz des Opferstatus eine Abschiebung wegen irregulären Aufenthalts. Ermittlern zufolge besteht auch die Gefahr, dass einige aus Angst vor Repressalien gegen Angehörige in den Herkunftsländern die Aussage verweigern oder zu fliehen versuchen.


Bildnachweis: © -/Portugiesische Kriminalpolizei Polícia Judiciária PJ/dpa
Copyright 2025, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

B 10 Richtung Stuttgart ab 15. August voll gesperrt – Umleitungen über Zuffenhausen
Mobilität & Verkehr

Vom 15. bis 31. August wird die B 10 Richtung Stuttgart voll gesperrt. Autofahrer müssen sich auf Umleitungen und Behinderungen einstellen.

weiterlesen...
Auto rast durch Fußgängerzone - Minister spricht von Unfall
Aus aller Welt

Umgestürzte Stühle, Kinderspielzeug auf der Straße: Eine Spur der Verwüstung hat ein Autofahrer im nordhessischen Hofgeismar hinterlassen. Es gibt mehrere Verletzte. Was bislang bekannt ist.

weiterlesen...
Sachsen-Anhalt hat gewählt: 43,8 Prozent für die AfD – und plötzlich sind alle überrascht
Boris Mönnich für Stuttgart

Kolumnist Boris Mönnich blickt auf Sachsen-Anhalts Wahl und fragt, warum 43,8 Prozent für die AfD die Politik erneut überraschen.

weiterlesen...

Neueste Artikel

FACE OF GERMANY 2026: Stuttgart sucht die neuen Gesichter Deutschlands
Inside-News

Am 18. Oktober wird das MALO Stuttgart zur Casting-Bühne: FACE OF GERMANY sucht Persönlichkeiten für das große Finale im Europa-Park.

weiterlesen...
Linie 42 in Stuttgart-Ost: Umleitung und drei Minuten frühere Abfahrten
Mobilität & Verkehr

Wegen Leitungsarbeiten wird die Linie 42 ab 14. September umgeleitet. Zwei Haltestellen werden verlegt, die Fahrzeiten ändern sich.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Zug in Frankreich entgleist - über 40 Verletzte
Aus aller Welt

Ein Teil eines Zugs mit rund 180 Passagieren ist in Nordfrankreich nach einer Kollision entgleist. Mehr als 40 Menschen wurden nach vorläufigen Angaben verletzt, darunter eine Frau schwer.

weiterlesen...
Zwölf Tote bei Autounfall in Russland
Aus aller Welt

Auf einer Fernstraße im Nordwesten Russlands stoßen drei Fahrzeuge zusammen. Für viele Menschen endet der Unfall tödlich.

weiterlesen...