26. Januar 2025 / Aus aller Welt

Meistgesuchter Drogenboss Europas in Afrika entdeckt

Der Niederländer gilt als Schlüsselfigur des internationalen Kokainhandels und wird seit Jahren gesucht. Jetzt haben Fahnder ihn zwar in Sierra Leone lokalisiert. Aber es gibt ein Problem.

Der nun lokalisierte Drogenbaron steht auf der EU-Liste der meistgesuchten Kriminellen Europas. (Archivbild)
Veröffentlicht am 26. Januar 2025 um 19:59 Uhr

Nach jahrelanger Fahndung ist einer der meistgesuchten Drogenbosse Europas in Sierra Leone ausfindig gemacht worden. Seit einem halben Jahr sei absolut sicher, dass sich der Niederländer Jos Leijdekkers, der eine Schlüsselfigur des internationalen Kokainhandels sei, in dem westafrikanischen Land aufhalte, teilte die niederländische Polizei mit.

Der Gesuchte mit dem Spitznamen «Bolle Jos» steht auf der EU-Liste der meistgesuchten Kriminellen. Er wurde im vergangenen Jahr in den Niederlanden in Abwesenheit wegen des Schmuggels von knapp sieben Tonnen Kokain und der Anordnung eines Mordes zu 24 Jahren Haft verurteilt. Ein belgisches Gericht verurteilte ihn im September wegen Drogenhandels und Körperverletzung zu zehn Jahren Gefängnis. Zuletzt hatten die Fahnder ihn in der Türkei vermutet.

Belohnung von 200.000 Euro ausgesetzt

Die Behörden gehen davon aus, dass der 33-Jährige mit dem Kokainschmuggel insbesondere über die Häfen Rotterdam und Antwerpen Dutzende Millionen Euro verdient hat. Für Hinweise, die zu Leijdekkers Festnahme führen, wurde eine Belohnung von 200.000 Euro ausgelobt.

Wie der öffentlich-rechtliche Sender NOS in den Abendnachrichten «Een Vandaag» am Samstag berichtete, sei der Drogenboss auf Bildern gemeinsam mit dem Präsidenten des westafrikanischen Landes gesichtet worden. Der niederländische Sender zeigte eine Videosequenz, die den Kriminellen neben der Tochter des Präsidenten in einer Kirche zeigen soll. Sierra Leone habe eine Scharnierfunktion im Kokainhandel zwischen Südamerika und Europa. 

Es sei allerdings schwierig, den Gesuchten in die Niederlande zu schaffen, da es mit Sierra Leone kein Auslieferungsabkommen gebe und Leijdekkers möglicherweise die Staatsangehörigkeit des Landes angenommen habe, berichtete NOS.

Sierra Leones Regierung: Präsident kannte Leijdekker nicht

Sierra Leones Regierung teilte mit, der Präsident habe während der Feiertage an zahlreichen Veranstaltungen teilgenommen, bei denen Fotos mit verschiedenen Personen gemacht worden seien. Er habe jedoch keine Kenntnis von der Identität Leijdekkers oder der gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Die Regierung kündigte eine Untersuchung an. Die Polizei des Landes sei bereit, mit den niederländischen Behörden, Interpol und anderen internationalen Partnern zusammenzuarbeiten. Gleichzeitig bekräftigte sie ihre Entschlossenheit, transnationale Kriminalität konsequent zu bekämpfen.

Das westafrikanische Sierra Leone gehört trotz reicher Bodenschätze wie Diamanten, Gold und Bauxit zu den zehn am wenigsten entwickelten Staaten der Welt. Auf dem Korruptionsranking der NGO Transparency International landet das Land mit rund 8,5 Millionen Einwohnern und regelmäßigen demokratischen Wahlen auf Platz 108 von 180 der korruptesten Staaten. Wie in anderen Küstenstaaten in Westafrika dienen die Häfen als wichtige Anlaufstelle für Drogen aus Südamerika auf dem weiteren Weg nach Europa.


Bildnachweis: © Jerry Lampen/anp/dpa
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