9. März 2025 / Aus aller Welt

Mehr Eis auf dem Mond

Dicht unter der Oberfläche des Mondes könnte sich Wasser ansammeln und gefrieren. Diese Erkenntnisse aus Indien sind gute Nachrichten für künftige Astronautinnen und Astronauten.

Das indische Mondlandegefährt «Vikram» verfügte über ein Sonde, die im Boden Temperaturen messen konnte.
Veröffentlicht am 9. März 2025 um 08:18 Uhr

Schon in einer Tiefe von nur zehn Zentimetern könnte es in vielen Regionen an den Polen des Mondes gefrorenes Wasser geben - selbst dort, wo die Sonne scheint. Zu diesem Schluss gelangt ein Forschungsteam aus Indien nach Auswertung von Daten der Mondsonde «Chandrayaan-3». 

Das Landegerät der Raumsonde hatte die Temperaturen im Mondboden untersucht und war dabei auf überraschend starke Schwankungen gestoßen, wie die Wissenschaftler im Fachblatt «Communications Earth & Environment» berichten.

«Der Abbau von Eis ist ein entscheidender Schritt, um bemannte Stationen auf dem Mond zu unterhalten», schreibt das Team um Durga Prasad vom Physical Research Laboratory in Ahmedabad. Aus dem Eis ließe sich nicht nur Trinkwasser gewinnen, sondern auch Sauerstoff zum Atmen sowie Wasserstoff und Sauerstoff als Treibstoff für Raumfahrzeuge.

Eis auch im ewigen Schatten

An den Polen des Mondes gibt es zahlreiche Gebiete innerhalb von Kratern, die im ewigen Schatten liegen. Dort hat sich vermutlich über Jahrmillionen hinweg Eis angesammelt. Deshalb gelten die Pole als attraktiver Standort für bemannte Mondstationen. Die Ergebnisse der Untersuchungen von Prasad und seinem Team machen die polaren Regionen jetzt sogar noch attraktiver.

Die Landesonde «Vikram» von «Chandrayaan-3» setzte am 23. August 2023 am Rand der südpolaren Mondregion auf. Mit an Bord: das Experiment ChaSTE, das - erstmalig seit den «Apollo»-Missionen in den 1970er Jahren - Temperaturmessungen in den oberen Schichten des Mondbodens durchführen konnte. 

Sehr unterschiedliche Temperaturen im Boden

Bei der Auswertung der Daten stieß das indische Team auf eine Überraschung: In zehn Zentimetern Tiefe lag die Höchsttemperatur im Mondboden bei 82 Grad Celsius, und damit um 24 Grad höher als auf Basis der «Apollo»-Daten erwartet. 

Mehr noch: Eine weitere Messung im Abstand von nur einem Meter lieferte eine um 23 Grad niedrigere Tageshöchsttemperatur. Mit derart kleinräumigen Schwankungen der Temperatur hatten die Forschenden nicht gerechnet. 

Doch rasch gelangten sie zu einer Erklärung: Während die zweite Messung auf flachem Boden stattfand, war der Mondboden am Ort der ersten Messung um sechs Grad Richtung Sonne geneigt und konnte sich deshalb stärker erwärmen.

Modell berechnet weitere Temperaturen

Die Neigung des Mondbodens spiele also offenbar eine bislang unterschätzte Rolle für die Temperatur unmittelbar unter der Mondoberfläche, schreibt das Team. Die Forschenden entwickelten ein Modell, um die Temperaturen in Abhängigkeit von der Neigung des Bodens zu berechnen. 

Das Ergebnis überraschte sie erneut: In den polaren Regionen reicht bereits eine Neigung von 14 Grad gegen die Sonne aus, um in zehn Zentimetern Tiefe die Temperatur dauerhaft unter den Gefrierpunkt sinken zu lassen. Dort also könnte sich Eis halten.

Menschen sollen Region am Südpol bald betreten

Das Fazit: Nicht nur in den im ewigen Schatten liegenden Kratern könnte es gefrorenes Wasser geben, sondern auch dicht unter der Oberfläche in weiten Gebieten mit ausreichender Neigung - und hier wäre das Eis auch, wie die Forschenden betonen, viel leichter abzubauen. 

Das sind gute Aussichten für die geplanten «Artemis»-Missionen, die in wenigen Jahren Astronautinnen und Astronauten zum Mond bringen sollen. Die erste Landung ist dabei in der Südpolregion geplant.


Bildnachweis: © -/Indian Space Research Organisation/dpa
Copyright 2025, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Genuss aus der Region: Tastingerlebnis bringt schwäbische Spirituosen ins Rampenlicht
Inside-News

Regionale Destillate, echte Handwerkskunst und spannende Tastings: Tastingerlebnis macht Genuss zum Erlebnis mit schwäbischer Handschrift.

weiterlesen...
Lebenslang für Raser nach Rennen - Was Opferangehörige sagen
Aus aller Welt

Die Spannung bei den Angehörigen der beiden Toten löst sich zu Beginn des Urteils. Die beiden Raser, die den fatalen Unfall in Ludwigsburg verursachten, müssen lange in Haft. Aber die Trauer bleibt.

weiterlesen...
Genuss aus der Region: Tastingerlebnis bringt schwäbische Spirituosen ins Rampenlicht
Inside-News

Regionale Destillate, echte Handwerkskunst und spannende Tastings: Tastingerlebnis macht Genuss zum Erlebnis mit schwäbischer Handschrift.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Sicherer Start auf zwei Rädern: ADAC prüft Kinderräder
Familie & Freizeit

ADAC testet 24-Zoll-Kinderräder: Große Unterschiede bei Sicherheit, Schadstoffen und Straßentauglichkeit.

weiterlesen...
„Tanz der Vampire“ kehrt 2027 nach Stuttgart zurück – Kult-Musical feiert großes Jubiläum
Kultur

Das Kult-Musical „Tanz der Vampire“ kommt 2027 in neuer Produktion nach Stuttgart – Vorverkauf gestartet, Premiere im Frühjahr.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Tag vier der Walrettungs-Aktion vor Insel Poel startet
Aus aller Welt

Seit 20 Tagen liegt der tonnenschwere Buckelwal vor der Ostseeinsel Poel fest. Möglicherweise wird das Tier heute aus seiner misslichen Lage befreit – die Arbeiten der privaten Initiative ziehen sich.

weiterlesen...
Sechs Monate nach dem Raub: Wo sind die Louvre-Juwelen?
Aus aller Welt

Verdächtige sind gefasst, die Beute bleibt verschwunden. In Polizeikreisen spricht man von «verfluchtem Schmuck». Wo stehen die Ermittlungen sechs Monate nach dem Einbruch im Pariser Museum?

weiterlesen...