26. November 2025 / Aus aller Welt

Getöteter Gerichtsvollzieher – «Ist nichts mehr wie vorher»

Im Dienst wird ein Gerichtsvollzieher durch mehrere Stiche mit einem Jagdmesser getötet. Das Entsetzen ist groß und viele Fragen sind offen.

Am Tatort wurden Kerzen und Blumen abgelegt.
Veröffentlicht am 26. November 2025 um 19:36 Uhr

Der tödliche Angriff kam für den Gerichtsvollzieher wie aus dem Nichts. Gerade hatte er dem Mieter eröffnet, dass dieser seine Wohnung jetzt zwangsräumen müsse. Da ergriff der 42-Jährige ein Jagdmesser und stach mehrfach auf den Kopf und den Oberkörper des Justizbeamten ein. Wenige Minuten später war der 58-Jährige tot. So beschreibt der Leitende Oberstaatsanwalt Bernd Weidig den mutmaßlichen Tatablauf.

Am Dienstag gegen 8.35 Uhr kam der Gerichtsvollzieher gemeinsam mit drei Menschen von der Hausverwaltung zu der Anschrift im saarländischen Oberbexbach. Die Mietwohnung im ersten Stock des Mehrfamilienhauses betrat er jedoch alleine, warum, dass wissen auch die Ermittler noch nicht. 

Um 8.39 Uhr rief ein Zeuge die Polizei. «Der Gerichtsvollzieher verstarb noch am Tatort», sagte Weidig. Bereits um 8.49 Uhr sei der Beschuldigte in der Nähe des Tatortes angetroffen und widerstandslos festgenommen worden. 

Tatverdächtige musste Wohnung bis zum Tattag geräumt haben

Die Polizei fand den Gerichtsvollzieher leblos auf dem Boden liegend im Eingangsbereich der Wohnung. Die vor dem Anwesen wartenden Rettungskräfte seien sofort hinzugezogen worden, sagte Kriminaldirektor Erik Glaeser. Sie hätten aber nur den Tod des Obergerichtsvollziehers feststellen können.

Der 42 Jahre alte deutsche Verdächtige sitzt in Untersuchungshaft. Ermittelt wird wegen des Verdachts auf Totschlags in Tateinheit mit tätlichem Angriff auf und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, sagte Weidig. Zum Motiv machen die Ermittler zunächst nur sehr wenige Angaben. 

Fest steht: Der 42-Jährige sollte am Tattag aus seiner Wohnung raus. Ihm sei eine Frist gesetzt worden, sagte Weidig. Spätestens bis Dienstag hätte er die Wohnung geräumt haben müssen.

Berg: Tod sei eine Zäsur für die saarländische Justiz

Die saarländische Justizministerin Petra Berg (SPD) sagte: «Wir trauern um einen hochgeschätzten Kollegen, der sich über Jahrzehnte hinweg mit großem Engagement und Überzeugung für unseren Rechtsstaat eingesetzt hat.» Das Opfer sei Ehemann, Vater und Freund gewesen, der im Dienst plötzlich, völlig unerwartet und gewaltsam gestorben sei. 

«Der Tod unseres Kollegen markiert eine Zäsur für die saarländische Justiz», sagte sie. «Es ist nichts mehr wie vorher.» Die saarländische Justiz rücke in tiefer Betroffenheit zusammen. In den kommenden Tagen werde ein Kondolenzbuch in der Staatskanzlei ausgelegt.

Was sagen die Ermittler zum Motiv?

Auch einen Tag nach der Tat ist noch vieles unklar. Vor dem Tatort wurden einzelne Blumen abgelegt und Gedenkkerzen angezündet.

Gab es möglicherweise ein politisches Motiv des Täters oder gehörte er der Reichsbürgerszene an? «Derartige Hinweise sind mir aktuell nicht bekannt, sind aber natürlich gegen Stand der staatsanwaltlichen Untersuchung», sagte Weidig. Ermittelt werde weiter mit Hochdruck. Hinweise, dass der mutmaßliche Täter unter Drogen- oder Alkoholeinfluss stand, gebe es derzeit nicht.

Verdächtiger räumte Tötung ein

Bei einer Vernehmung habe der Mann die Tötung des Gerichtsvollziehers eingeräumt. Bei dem Beschuldigen handele es sich um einen ledigen Mann aus dem Saarpfalz-Kreis. Ausweislich eines aktuellen Auszuges aus dem Bundeszentralregister sei er nicht vorbestraft. Es gebe aber ein laufendes Ermittlungsverfahren wegen räuberischen Diebstahls.

Gerichtsvollzieher seien im Wesentlichen selbstständig unterwegs, sagte Justizministerin Berg auf die Frage, warum der Getötete ohne Polizei oder Begleitung in die Wohnung ging. Der betroffene Gerichtsvollzieher sei seit Jahrzehnten tätig und sehr erfahren gewesen. Ob er eine Schutzweste trage, liege in seinem eigenen Ermessen, sagte Berg. Der 58-Jährige hatte sich am Tag seines Todes dagegen entschieden: Er habe keine getragen.


Bildnachweis: © Thorsten Kremers/Thorsten Kremers/dpa/dpa
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