5. September 2025 / Aus aller Welt

«Für immer im Gedächtnis» - Trauer um getöteten Polizisten

Mit einer bewegenden Gedenkfeier erinnern Politiker und Polizei an den getöteten Polizisten Simon Bohr. Die lückenlose Aufklärung der Tat vom 21. August läuft weiter.

Ministerpräsidentin Anke Rehlinger. Zur Gedenkfeier waren laut Innenministerium rund 1.500 Menschen gekommen.
Veröffentlicht am 5. September 2025 um 15:55 Uhr

Mit einem emotionalen Gedenken haben Politiker und Polizei an den vor gut zwei Wochen im saarländischen Völklingen getöteten Polizeibeamten erinnert. «Der unfassbare Tod von Simon Bohr bleibt für immer in unserem Gedächtnis», sagte Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) bei der Gedenkfeier der Saar-Landesregierung in Saarbrücken.

«Auch ich bin wütend über ein Verbrechen, das sinnloser wohl kaum sein könnte.» Die Tat müsse in der kommenden Zeit in allen Einzelheiten aufgearbeitet werden, sagte sie vor rund 1.500 Gästen, darunter Hunderte Polizisten. Das ganze Saarland sei immer noch fassungslos, dass der 34-Jährige «im Dienst für uns alle» ums Leben gebracht worden sei.

Trauer, Schmerz und Wut

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach von einer schrecklichen Tat und sinnloser Gewalt. «Wir empfinden große Trauer, wir empfinden tiefen Schmerz und einige von uns auch Wut.» Er sei überzeugt: «Gewalt gegen Polizistinnen und Polizisten darf nur mit absoluter Härte des Rechtsstaats beantwortet werden.» Das Risiko im Dienst dürfe nie «zu einer gesellschaftlich oder politisch tolerierten Gewalt gegen Polizisten» werden.

Der Polizeioberkommissar war am 21. August in Völklingen erschossen worden, als er versuchte, einen mutmaßlichen Tankstellenräuber zu fassen. Dieser 18-Jährige soll die Schüsse aus einer Dienstwaffe abgefeuert haben, die er zuvor einem Kollegen von Bohr entrissen haben soll. Der mutmaßliche Schütze sitzt unter anderem wegen des Verdachts des Mordes in Untersuchungshaft.

Tat sorgte deutschlandweit für Entsetzen

Dobrindt sagte, man müsse «leider erneut erleben, wie wenig vorhanden die Hemmschwelle ist, auch mit roher Gewalt gegen diejenigen vorzugehen, die den Schutz unseres Staates und unserer Bürger gewährleisten». Polizisten täten mehr als andere für Schutz und Sicherheit: «Leider hat man zu oft das Gefühl, dass man Teile unserer Gesellschaft immer wieder daran erinnern muss.» Die Tat hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt.

Der Tod von Bohr zeige auch, dass absolute Sicherheit nicht möglich sei, sagte Rehlinger. «Gewalt und Kriminalität, Hass und Diffamierung treiben unsere Gesellschaft auseinander.» Man dürfe nicht nachlassen, für gegenseitigen Respekt zu werben. «Unser heutiges Gedenken ist getragen vom Respekt und der Anerkennung für jeden einzelnen Polizisten und jede einzelne Polizistin, die für uns Dienst tut, und auch für alle anderen Blaulicht-Dienste.»

Die Frage nach dem Warum werde unbeantwortet bleiben, weil diese Tat so sinnlos war, sagte der saarländische Innenminister Reinhold Jost (SPD). Simon Bohr sei geliebt und geachtet gewesen. Er habe stets auf Ausgleich und Menschlichkeit im Miteinander gesetzt, Toleranz sei ihm ein wichtiges Anliegen gewesen. Die lückenlose Aufklärung und Aufarbeitung der Geschehnisse vom 21. August gehe weiter, sagte der Minister. 

Der Polizeibeamte war am Samstag in seiner Heimatgemeinde Saarlouis unter großer Anteilnahme beigesetzt worden. Zur Gedenkfeier kamen auch die Innenminister aus Rheinland-Pfalz, Michael Ebling (SPD), und Léon Gloden aus Luxemburg. 

Die Leiterin der saarländischen Landespolizeidirektion, Natalie Grandjean, sagte an Bohr gerichtet: «Du bist einer von uns. Wir werden dich nie vergessen.» 

Der Polizist hinterlässt eine Frau und zwei Kinder. Der katholische Polizeiseelsorger Hubertus Kesselheim sagte, die Witwe hätte gerne einen Brief geschrieben, den er bei der Gedenkfeier für sie verlesen hätte. Aber: «Es fehlen ihr die Worte», sagte er.


Bildnachweis: © Uwe Anspach/dpa
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