21. Februar 2026 / Aus aller Welt

Frische Farbe für den Otto-Leuchtturm in Ostfriesland

Der Pilsumer Leuchtturm wird neu gestrichen. Die rot-gelben Ringe erzählen auch die Geschichte des Bauwerks – was ein Sanitär-Großhandel damit zu tun hat und warum der Turm sogar ein Bankkonto hat.

Für den Neuanstrich ist der Pilsumer Leuchtturm eingerüstet.
Veröffentlicht am 21. Februar 2026 um 08:25 Uhr

Eines der bekanntesten Wahrzeichen Niedersachsens hat in den vergangenen Tagen einen neuen Farbanstrich bekommen – ein spezieller Metalllack sorgt dafür, dass der Pilsumer Leuchtturm in Ostfriesland trotz rauer Nordseeluft auch weiterhin rot und gelb strahlt. Den Anstrich übernahmen Mitarbeiter der Deichacht Krummhörn (Landkreis Aurich). «Wir kennen ja den Hype um den Turm», sagt der Rendant der Deichacht, Frank Rosenberg. «Wir machen das daher mit ganz viel Freude im Rahmen unserer Möglichkeiten.»

Seit Mitte Januar ist der elf Meter hohe Turm eingerüstet, damit alle sieben roten und gelben Ringe neu gestrichen werden können. «Das ist das letzte Mal 2020 passiert und nun sechs Jahre her», erzählt Rosenberg. Die Arbeiten würden bewusst jetzt im Winter geleistet, wo es am Turm ruhiger zugehe. Zwischenzeitlich wurden die Malerarbeiten wegen der frostigen Witterung allerdings eingestellt. 

Warum der Turm neue Farbe braucht

Nicht nur die salzhaltige Nordseeluft setzt dem Stahlbauwerk zu – unten wird der Turm auch immer wieder beschmiert und beklebt. Deshalb würden die unteren beiden Ringe sogar fast jährlich neu gestrichen, sagt Rosenberg. Doch das bringt ein neues Problem mit sich: «Wenn wir ein paar Jahre nur die unteren Ringe streichen, verblassen mit der Zeit die oberen Farbtöne», erklärt der Geschäftsführer der Deichacht. «Dann sieht das nicht mehr schön aus.» 

Und schön aussehen soll der Turm. Denn der Pilsumer Leuchtturm ist nicht nur bei Touristen ein beliebtes Fotomotiv. In dem Turm kann auch geheiratet werden. Das ist nach Angaben der Gemeinde Krummhörn sehr beliebt. Der Großteil der Paare, die sich das Ja-Wort geben, kommen aus Nordrhein-Westfalen. Berühmt wurde der Leuchtturm durch einen Film von Komiker Otto Waalkes. Im Film «Otto der Außerfriesische» aus dem Jahr 1989 wohnte Otto als Hauptdarsteller darin.

Wie der Turm gelb-rote Streifen bekam

Für die Schifffahrt hat der Leuchtturm längst keine Funktion mehr. Darin liegt auch das Geheimnis, wie der Turm zu seinen markanten Farben kam, die ihn von vielen anderen Leuchttürmen unterscheidet. Ursprünglich sei der 1890 gebaute Turm rot angestrichen gewesen, sagt Rosenberg. «Da er dann außer Betrieb gesetzt wurde, durfte er nicht mehr so aussehen wie ein normaler Leuchtturm. Er musste quasi unkenntlich gemacht werden.» 

So wurde jeder zweite Ring des Leuchtturms gelb gestrichen. «Dem Menschen, der das entschieden hat, dem hat man heute viel zu verdanken. Es ist eben das Markenzeichen», sagt Rosenberg.

Heute schwer vorstellbar, aber zwischenzeitlich sei auch über einen Abriss des maroden Turms gesprochen worden. «Er war in einem erbärmlichen Zustand», erinnert sich der Rendant. Der damalige Oberdeichrichter habe sich eingesetzt, dass der Turm erhalten bleibe – auch als Wahrzeichen für Ostfriesland. 

Ein Leuchtturm mit eigenem Bankkonto

Möglich geworden sei die teure Sanierung auch durch die Spende eines Großhandelsbetriebs für Sanitärbedarf, sagt Rosenberg. Das Unternehmen forderte im Gegenzug, dass der Turm seine rot-gelben Ringe behält. «Die haben witzigerweise die gleichen Firmenfarben», sagt Rosenberg. Seitdem seien in der Vereinbarung über die Zuwendung die Farbtöne exakt festgeschrieben. «Da halten wir uns natürlich auch dran.» 

Die Kosten für den frischen Anstrich belaufen sich laut Deichacht auf rund 7.000 Euro – der Großteil davon entfällt auf den Gerüstbau. Bezahlt würden die Kosten nicht aus den Mitgliedsbeiträgen für die Deichacht, betont Rosenberg. Denn diese Einnahmen seien allein für die Deichunterhaltung und Deichpflege bestimmt. «Der Leuchtturm hat sein eigenes Konto», sagt Rosenberg. Dort landen die Einnahmen des Turms aus Hochzeitsfeiern und Lizenzgebühren der touristischen Vermarktung. Diese würden den Erhalt des Pilsumer Leuchtturms noch lange absichern, ist Rosenberg sicher.


Bildnachweis: © Lars Penning/dpa
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