23. März 2025 / Aus aller Welt

Fisch-Alarm in Utrecht: Klingel hilft beim Durchschwimmen

Tausende von Fischen ziehen durch die Grachten von Utrecht, um zu laichen. Doch eine Schleuse versperrt den Weg. Zum Glück gibt es eine Klingel - und menschliche Unterstützung.

In Utrecht in den Niederlanden gibt es eine Schleuse mit virtueller Türklingel für Fische.
Veröffentlicht am 23. März 2025 um 07:33 Uhr

Eine Türklingel für Fische macht im Internet Furore: In der niederländischen Stadt Utrecht gibt es an einer historischen Schleuse eine digitale Klingel, um Fischen freien Zug durch die Grachten zu verschaffen. Mit Hilfe einer Unterwasserkamera mit Internetanschluss kann jeder live sehen, ob Fische vor der Schleuse sind. Wenn ja, können Zuschauer auf den virtuellen Klingelknopf drücken und das Signal zum Öffnen der Schleuse geben. 

Weltweit schauten im vergangenen Jahr fast drei Millionen Menschen zu und hielten nach Fischen Ausschau. Die Ökologen bekommen sogar Berichte aus Australien und den USA. «Es ist eine Art Slow-TV», sagt die Utrechter Stadtökologin Ökologin Nijs. «Viele finden das eine positive Geschichte, und sie können auch selbst etwas für die Natur tun.»

Schleuse kann nur per Hand geöffnet werden

Jedes Frühjahr ziehen tausende von Fischen durch die Grachten zum Krummen Rhein, einem Arm des Niederrheins, erklärt Nijs. «Sie wollen in wärmerem Wasser ihre Eier ablegen». 

Doch in Utrecht versperrt ihnen die 400 Jahre alte Weerdsluis den Weg. Die Schleuse kann nur mit der Hand geöffnet werden und das geschieht normalerweise nur, wenn Boote durchfahren wollen. Das aber ist im Frühjahr nur selten der Fall. 

Fische sind leichte Beute 

Die Fische hätten keine Wahl, sagt die Biologin. Es gebe nur diesen Durchlass. «Die Fische warten vor dem Tor und sind so leichte Beute etwa für Vögel.» Außerdem würden die Fische viel Zeit und Energie verlieren. 

Die Klingel gibt es seit fünf Jahren und ist nach Angaben der Betreiber weltweit die erste ihrer Art. Fisch-Alarm per Klingelknopf sei zwischen Anfang März und Ende Mai möglich. 

Ein Ökologe kam auf die Idee mit der Unterwasserkamera und dem Livestream. Nun kann jeder sehen, wer sich vor den schweren Toren tummelt: Barsche, Karpfen, Hechte und manchmal sogar ein Aal. Je wärmer es wird, umso mehr Fische kommen. 

Klingelstreich 

Tagsüber passiert nicht viel, dann sieht man vor allem graugrünes Wasser und ab und zu ein paar Blasen. Die besten Chancen hat man morgens früh und abends.

Natürlich gibt es auch Klingelstreiche, sagt die Ökologin. Aber Zuschauer alarmieren auch nicht direkt den Schleusenwärter. Mit dem Betätigen der Klingel wird zunächst automatisch ein Screenshot an die Ökologen geschickt. Gibt es einen Treffer, informieren sie den Schleusenwärter. Der öffnet mit der Hand die Tore und lässt die Tiere durch. «Das ist auch nicht für jeden einzelnen Fisch, sondern ein paarmal pro Woche.»


Bildnachweis: © Robert Oosterbroek/Stadt Utrecht /dpa
Copyright 2025, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Silvester in Stuttgart
Stuttgart - Online

Noch keine Pläne für den Jahreswechsel? Kein Problem, Silvester in Stuttgart bietet jede Menge Möglichkeiten: Events, festliche Menüs, Kultu

weiterlesen...
Umbruch – Nachtschicht denkt Zukunft neu
Veranstaltungen

Zwischen Krise und Chance: Die Nachtschicht startet mit Maja Göpel und starken Stimmen in eine neue Reihe zum Thema Umbruch.

weiterlesen...
Wie fahren Bus und Bahn an Silvester und Neujahr?
Aus den Stadtteilen

SSB Fahrpläne an Silvester und Neujahr jetzt über die Fahrplanauskunft abrufbar

weiterlesen...

Neueste Artikel

Polizei in Baden-Württemberg führt präventive Gespräche mit rechtsextremistischen Gruppen
Inside-News

Gezielte Ansprachen sollen Rückkehr in ein gesetzestreues Leben erleichtern und Extremismus vorbeugen.

weiterlesen...
Sparkassen-Einbruch: Polizei vernimmt Tausende Opfer
Aus aller Welt

Nach dem Millionen-Coup von Gelsenkirchen will die Polizei ab Montag mehr als 3.000 Sparkassen-Kunden befragen. Das wird Wochen dauern. Es wurden extra Büros angemietet.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Sparkassen-Einbruch: Polizei vernimmt Tausende Opfer
Aus aller Welt

Nach dem Millionen-Coup von Gelsenkirchen will die Polizei ab Montag mehr als 3.000 Sparkassen-Kunden befragen. Das wird Wochen dauern. Es wurden extra Büros angemietet.

weiterlesen...
Auch ein Top-Räuber fängt klein an: T. rex war Spätzünder
Aus aller Welt

Bei jedem Schritt eines T. rex bebte der Boden – zumindest, wenn er ausgewachsen war. Bis dahin dauerte es aber wohl erstaunlich lange. Auch das wiederum hatte seine Vorteile.

weiterlesen...