22. Januar 2026 / Aus aller Welt

Ex-Pfleger könnte mehr als 100 Menschen getötet haben

Im November wurde ein ehemaliger Pfleger in Aachen wegen zehnfachen Mordes verurteilt. Womöglich hat er aber mehr Menschen umgebracht - deutlich mehr. Es gibt weitere Exhumierungen.

Ein bereits wegen zehnfachen Mordes in Aachen verurteilter Ex-Pfleger könnte für mehr als 100 weitere Todesfälle verantwortlich sein.
Veröffentlicht am 22. Januar 2026 um 12:34 Uhr

Ein bereits wegen zehnfachen Mordes in Aachen verurteilter Ex-Pfleger könnte für mehr als 100 weitere Todesfälle verantwortlich sein. Es gebe eine entsprechend hohe Zahl an «Verdachtsfällen», teilte die Aachener Oberstaatsanwältin Katja Schlenkermann-Pitts mit. Mehrere Medien berichteten darüber.

Gegenstand der neuen Ermittlungen sind mögliche Taten jenseits mehrerer bereits abgeurteilter Fälle. Der Ex-Pfleger war im November 2025 vom Aachener Landgericht wegen 10-fachen Mordes und 27-fachen Mordversuchs zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Dabei wurde auch eine besondere Schwere der Schuld festgestellt - eine Freilassung nach 15 Jahren ist damit in der Regel ausgeschlossen.

Nach Überzeugung des Gerichts hatte der Mann während seiner Nachtschichten in einer Klinik in Würselen schwer kranken Menschen eigenmächtig überhöhte Mengen an Beruhigungsmitteln verabreicht - teils in Kombination mit Schmerzmitteln und teilweise auch mehrfach. Auslöser sollen ein persönliches Störgefühl und eine eigene Vorstellung von Ordnung gewesen sein. Der Pfleger selbst hatte die Vorwürfe im Prozess zurückgewiesen. Er habe keine Medikamente mit dem Ziel verabreicht, Leben zu verkürzen, erklärte er in einer Aussage im Mai 2025.

Verdachtsfälle liegen deutlich über 100

Die Taten, um die es in diesem Verfahren gegangen war, hatten sich in einem Zeitraum von Dezember 2023 bis zum Mai 2024 ereignet. Bei den neuen Verdachtsfällen geht es nun um mögliche Tötungsdelikte in der Zeit davor. Der Deutsche hatte bereits seit 2020 an der Klinik in Würselen gearbeitet. Nach dem Urteil hatte die Aachener Staatsanwaltschaft schon angekündigt, dass eine weitere Anklage wahrscheinlich sei. 

Nun gibt es einen ersten Überblick, was in einer neuen Anklage stehen könnte. «Die Verdachtsfälle in dem laufenden Verfahren liegen derzeit deutlich über 100», erklärte Oberstaatsanwältin Katja Schlenkermann-Pitts. Sie betonte zugleich, dass es sich um einen Anfangsverdacht handle. «Der kann natürlich auch noch wegfallen.» Es habe bereits 27 Exhumierungen im Zusammenhang mit den neuen Vorwürfen gegeben. Etwa 30 stünden noch aus. 

Auch in Köln Exhumierungen

Der Fall reicht inzwischen auch über Aachen hinaus: Auch in Köln wird ermittelt. Dort hatte der Mann bis 2020 gearbeitet. Die Kölner Staatsanwaltschaft bestätigte im Dezember Exhumierungen.

Immer wieder sorgen ähnliche Fälle für Entsetzen. Als bislang größte Mordserie der deutschen Nachkriegsgeschichte gilt der Fall des Ex-Pflegers Niels Högel: Das Landgericht Oldenburg verurteilte ihn 2019 wegen 85 Morden zu lebenslanger Haft. 

«Die Pflege und Medizin machen niemanden zu Serientätern. Jedoch macht es Pflege und Medizin Serientätern weiterhin viel zu leicht», kritisierte der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, im Lichte der neuen Verdachtsfälle. «Es fehlt eine Kultur des Hinschauens.»


Bildnachweis: © Oliver Berg/dpa
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

31-Jährige tot in Wohnung gefunden – Bekannter in Haft
Aus den Stadtteilen

Nach Vermisstenmeldung findet Polizei in Stuttgart-Nord eine 31-Jährige tot in Wohnung. Ein 32-jähriger Bekannter sitzt in Haft.

weiterlesen...
Kölsche Frohsinn als Exportschlager jetzt auch in Stuttgart angekommen.
Veranstaltungen

„Kölsche Lebenslust erobert Stuttgart: 600 Narren, Mitsing-Karneval und Kölsch satt – das Mash wird zur Altstadtkneipe.“

weiterlesen...
25 Jahre Stuttgart PRIDE: Starkes Zeichen für Vielfalt beim CSD-Neujahrsempfang
Inside Kulturblog

Stuttgart PRIDE feiert 25 Jahre IG CSD e.V., stellt das Motto 2026 vor und setzt ein klares Zeichen für Zusammenhalt und Vielfalt.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Studie: Klimawandel könnte Weideflächen bis 2100 halbieren
Aus aller Welt

Rund ein Drittel der Landoberfläche ist Weideland - etwa für Rinder, Schafe oder Ziegen. Doch mit dem Klimawandel könnte sich das bis zum Jahr 2100 drastisch ändern. Besonders betroffen wäre Afrika.

weiterlesen...
Dobrindt und Prien stellen Studie zu Gewalt vor
Aus aller Welt

Die Bundesregierung veröffentlicht eine Studie, die Gewalt in verschiedenen Lebensbereichen beleuchtet – und dabei nicht nur Frauen in den Fokus rückt.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Studie: Klimawandel könnte Weideflächen bis 2100 halbieren
Aus aller Welt

Rund ein Drittel der Landoberfläche ist Weideland - etwa für Rinder, Schafe oder Ziegen. Doch mit dem Klimawandel könnte sich das bis zum Jahr 2100 drastisch ändern. Besonders betroffen wäre Afrika.

weiterlesen...
Dobrindt und Prien stellen Studie zu Gewalt vor
Aus aller Welt

Die Bundesregierung veröffentlicht eine Studie, die Gewalt in verschiedenen Lebensbereichen beleuchtet – und dabei nicht nur Frauen in den Fokus rückt.

weiterlesen...