26. November 2024 / Aus aller Welt

Ermittler bergen Flugschreiber nach Absturz in Litauen

Nach dem Absturz eines Frachtflugzeugs in Litauen geht die Suche nach der Ursache weiter. Die Ermittler machen wichtige Fortschritte am Unglücksort. Litauens Staatspräsident warnt vor Spekulationen.

Auf einem Trümmerteil des abgestürzten Flugzeugs sind die DHL-Farben zu sehen.
Veröffentlicht am 26. November 2024 um 13:58 Uhr

 Nach dem Absturz eines aus Deutschland kommenden Frachtflugzeugs in Litauen geht die Suche nach der Unglücksursache weiter. Mit den Flugschreibern haben die Ermittler dabei ein möglicherweise entscheidendes Puzzlestück für ihre Untersuchungen gefunden. Einen Tag nach dem Absturz der Swift-Air-Maschine, die im Auftrag von DHL von Leipzig in die litauische Hauptstadt Vilnius unterwegs war, konnten der Flugdatenschreiber und der Stimmenrekorder aus dem Wrack geborgen werden. Als sogenannte Black Box könnten sie Aufschluss über die bisher unbekannte Unglücksursache geben, über die weiter spekuliert wird. Was genau geschah, bleibt trotz Fortschritten bei den Ermittlungen noch unklar.

Das Flugzeug war am frühen Montagmorgen kurz vor der geplanten Landung in der Nähe des Flughafens der Hauptstadt in einem Wohngebiet auf den Boden geprallt und zerschellt. Dabei kam ein Besatzungsmitglied ums Leben. Litauens Polizeichef Arunas Paulauskas ging davon aus, dass die Untersuchung der Unglücksstelle in zwei bis drei Tage beendet sein könnte. Nach der Entfernung und Lagerung der Überreste der völlig zerstörten Maschine wird es nach Angaben des Leiters des Nationalen Krisenmanagementzentrums, Vilmantas Vitkauskas, darum gehen, die gesammelten Daten und Informationen «in Ruhe und konsequent» zu untersuchen, auszuwerten und zu vergleichen. 

Auch deutsche Ermittler vor Ort

In die Untersuchungen einbezogen werden sollen auch ausländische Experten. Aus Deutschland sind dazu nach litauischen Angaben bereits Ermittler eingetroffen, zudem sollen Experten aus Spanien und den USA die Suche nach der Unfallursache unterstützen - darunter auch vom Flugzeughersteller Boeing. Bei der Unglücksmaschine handelt es sich nach Angaben von Swift Air um eine Boeing 737-400. Deren Trümmer waren nach Angaben der Behörden nach dem Absturz mehrere Hundert Meter weit geschlittert und hatten dabei ein Wohnhaus beschädigt. Verletzt wurde dabei niemand.

Die Polizei appellierte an die Einwohner von Vilnius, den Behörden alle Videos zur Verfügung zu stellen, die möglicherweise Informationen über das abgestürzte Flugzeug enthalten. Die Behörden erkundeten zudem das Gebiet des Flughafens und der Absturzstelle mit einer Drohne und befragten Augenzeugen des Vorfalls, der für viel Aufsehen und Unruhe gesorgt hat. Nach Angaben von Paulauskas zeigten die Umstände des Unglücks, dass der Vorfall vermutlich nicht durch einen äußeren Einfluss verursacht worden sei. 

Staatspräsident mahnt vor voreiligen Schlüssen

Litauens Staatspräsident Gitanas Nauseda rief dazu auf, von allzu großen Spekulationen über die Ursache für den Absturz abzusehen. Die Vermutung eines möglichen Sabotageakts dürfe nicht überbetont, aber auch nicht heruntergespielt werden. Gleichzeitig könne man eine solche Version nicht ausschließen, sagte Nauseda, der sich selbst auch bereits ein Bild von der Unglücksstelle gemacht hat. Nach seinen Angaben liegen bislang nicht ausreichend Informationen vor, um eine Unfallursache zu nennen. 

Der Flugzeugabsturz wirft vor allem auch deshalb Fragen und Befürchtungen auf, weil deutsche Sicherheitsbehörden Ende August vor «unkonventionellen Brandsätzen» gewarnt hatten, die von Unbekannten über Frachtdienstleister verschickt werden. Die Warnung wurde damals in Sicherheitskreisen mit einem Vorfall im DHL-Logistikzentrum Leipzig in Verbindung gebracht, das als weltweites Drehkreuz des Unternehmens fungiert. Dort soll im Juli ein aus dem Baltikum verschicktes Paket Feuer gefangen haben, das einen Brandsatz enthielt. Basierend auf den Ermittlungen kam es auch in Litauen zu Festnahmen, die Anfang des Monats von der Generalstaatsanwaltschaft in Vilnius bestätigt worden waren.


Bildnachweis: © Mindaugas Kulbis/AP
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