5. Oktober 2025 / Aus aller Welt

6,5 Millionen Besucher auf «Achterbahn-Wiesn»

6,5 Millionen Menschen, doch manche standen vor verschlossenen Toren. In München geht ein denkwürdiges Oktoberfest zu Ende - und der neue Wiesn-Chef räumt Fehler ein.

Heißer Start, verregneter Abschluss.
Veröffentlicht am 5. Oktober 2025 um 16:25 Uhr

6,5 Millionen Besucher trinken 6,5 Millionen Maß Bier: Mit durchschnittlichen Zahlen geht ein alles andere als durchschnittliches Oktoberfest in München zu Ende. «Es war eine Achterbahn-Wiesn», sagt Festchef Christian Scharpf bei der Vorstellung der Oktoberfest-Bilanz. Und das gilt nicht nur für das Wetter. Mit knapp 31 Grad war der Anstichs-Tag vor zwei Wochen der heißeste jemals gemessene Wiesn-Tag der Geschichte. Zum Abschluss ist der Herbst eingekehrt mit Regen, Wind und Kälte. 

Hitze, Überfüllung, Bombenalarm - ein historisches Oktoberfest

Die Wiesn 2025 dürfte gleich aus mehreren Gründen in die Geschichte eingehen. Gleich an zwei Tagen musste das komplette Oktoberfest-Gelände wegen Überfüllung gesperrt werden. Ein Tag fiel beinahe komplett aus, weil die Theresienwiese nach einer Bombendrohung stundenlang abgesucht wurde und gesperrt blieb.

Während den Behörden wegen der vorsorglichen Sperrung zur Abklärung einer möglichen Bombengefahr - ein Mann, der sein Münchner Elternhaus in die Luft gesprengt hatte, hatte in einem Schreiben mit einem Anschlag auf die Wiesn gedroht - weitgehend Verständnis entgegengebracht wurde, sah das beim ersten Massengedränge auf dem Gelände anders aus. 

Besonders die erste Sperrung wegen Überfüllung hatte für viel Kritik gesorgt, auch wegen unklarer Ansagen an die Festgäste. Viele berichteten von Angst im Gedränge. Erst nach etwa einer Stunde entspannte sich die Lage. 

«Hausaufgaben» machen - Wiesn-Chef räumt Fehler ein 

Ein «Novum» sei diese Situation am sogenannten Italiener-Samstag zur Wiesn-Halbzeit gewesen, sagt Scharpf und räumt Fehler ein. «Wir haben reagiert, aber nicht so optimal, wie wir uns das selber gerne gewünscht hätten», sagt er. «Hauptgrund war, dass wir es einfach zu spät erkannt haben» - und dann sei auch noch die Kommunikation mit Lautsprecherdurchsagen nicht gut gelaufen. 

Im nächsten Jahr soll das anders werden, verspricht Scharpf. 2026 soll es eine «Echtzeit-Messung in Bezug auf die Besucherzahlen» geben und sogenanntes «Crowd-Spotting». Wie genau das technisch umgesetzt werden soll, sei noch unklar. Scharpf betonte, dass die Festleitung auch schon im Laufe der Wiesn angefangen habe, die «Hausaufgaben» zu machen. Als das Oktoberfest auch am Feiertag, dem 3. Oktober, rund eine Stunde lang wegen Überfüllung geschlossen werden musste, habe das schon viel besser geklappt. 

30 Prozent der Besucher am «Italiener-Wochenende» aus dem Ausland

30 Prozent der Besucher an jenem «Italiener-Wochenende» seien aus dem Ausland gekommen, sagt Scharpf - und das, obwohl die Stadt im Ausland schon lange keine Werbung mehr für die Wiesn mache. Doch das übernehmen nun Influencer. Trotz allem sei das Oktoberfest aber weiter ein Münchner Fest, ein bayerisches Fest mit über die zwei Wochen verteilt 70 Prozent der Besucher aus der Region. 

Mehr Alkoholleichen

Einige der Wiesn-Besucher tranken so viel, dass sie medizinische Hilfe benötigten. 6824 Patienten zählte die zuständige Aicher Ambulanz. 40 Prozent von ihnen hatten den Angaben zufolge viel zu viel getrunken - im Durchschnitt der vergangenen Wiesn habe das nur auf ein Drittel der Patienten zugetroffen. 

Der gemessene Rekordwert lag in diesem Jahr bei einem Atemalkoholwert von 3,8 Promille. Allerdings gebe es wohl eine «Dunkelziffer» - «weil einige Kandidaten motorisch nicht mehr in der Lage waren, in das Gerät zu pusten». Das Plus von rund 28 Prozent bei der Gesamtzahl der Patienten führt die Aicher Ambulanz vor allem auf die Hitze am ersten Wiesn-Wochenende zurück, als viele Wiesn-Besucher kollabiert waren. Die beiden Todesfälle, bei denen es sich wohl um Schausteller und medizinische Gründe handelte, standen damit nicht in Zusammenhang. 

Tatwaffe Maßkrug

Für die Münchner Polizei war die Wiesn nach Angaben von Sprecher Thomas Schelshorn ebenfalls eine weitgehend durchschnittliche, auch wenn die Schließung während der Bombendrohung und das anschließende stundenlange Absuchen des Geländes das Fest «überschattet» hätten. 

784 Straftaten und Ordnungswidrigkeiten seien angezeigt worden, der Großteil davon Körperverletzungsdelikte. In 24 Fällen der gefährlichen Körperverletzung war ein Maßkrug die Tatwaffe. Und er war auch beliebtes Diebesgut: Ganze 116.000 Mal wurde Besuchern, die versuchten, einen Krug aus dem Zelt oder dem Biergarten zu schmuggeln, dieser von Ordnern wieder abgenommen. Das ist nach Angaben von Wiesn-Chef Scharpf ein deutlicher Anstieg. 2024 wurden weniger als 100.000 Fälle bekannt. 

Die Zahl der angezeigten Sexualdelikte stieg laut Polizei etwas - von 56 im Jahr 2024 auf 72 in diesem Jahr. Darunter fielen 10 Fälle des sogenannten Upskirtings, also des Fotografierens unter den Rock und fünf Vergewaltigungsfälle. 2024 waren es zwei, 2023 sechs.

148 Rauschgiftdelikte wurden aktenkundig, davon die meisten wegen Kokain. Außerdem gab es 13 Verstöße gegen die Cannabis-Regelung. 

Was von der Wiesn übrig bleibt

Das Wiesn-Fundbüro meldete 4.500 Fundstücke, darunter 800 Geldbeutel, 400 Smartphones, 370 Schlüssel, eine Knirschschiene für die Zähne, eine Lederhose und ein nagelneues Dirndl.

291 Menschen verloren ihren Führerschein, den werden sie allerdings nicht im Fundbüro wiederfinden. Polizeisprecher Schleshorn spricht von einem «exorbitanten» Anstieg an Verkehrsdelikten: 438 im Vergleich zu 322 im vergangenen Jahr. Einen Großteil davon verursachten E-Scooter-Fahrer. Lege man die entzogenen Führerscheine aufeinander, ergebe das übrigens etwa 22,5 Zentimeter. «Das ist soviel wie ein Maßkrug mit einer gut eingeschenkten Bierkrone.»

Mit dem Kehraus am Sonntagabend sollte die Wiesn zu Ende gehen. Damit endet in München der Ausnahmezustand - bis es am 19. September 2026 wieder heißt: O'zapft is.


Bildnachweis: © Armin Weigel/dpa
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