5. August 2025 / Aus aller Welt

Dicke Luft im Flieger: Das Pups-Problem

Wer kennt das nicht: Kaum im Flugzeugsitz zurückgelehnt, kommt dicke Luft: Viele Menschen müssen im Flieger mehr pupsen als am Boden. Das hat etwas mit Flughöhe und Druck zu tun. Was tun?

Ein Flug in der Economy-Klasse kann neben einem Viel-Pupser zur Herausforderung werden (Archivbild)
Veröffentlicht am 5. August 2025 um 05:00 Uhr

Schweiß, Mundgeruch, aufdringliches Parfüm - wer fliegt, zumal in der engen Economy-Klasse, muss auf Tuchfühlung mit den Sitznachbarn oft allerlei geruchliche Herausforderungen meistern. Dazu kommt ein stinknormales Problem, über das wenig gesprochen wird: der Flatus, zu Deutsch «das Abgehen von Gasen aus dem Darm über den After», oder umgangssprachlich: der Pups. 

Viele Passagiere kennen das: Kaum hat der Flieger eine gewisse Flughöhe erreicht, drückt es zunehmend in den Gedärmen. Völlig normal, sagt Gastroenterologin Birgit Terjung aus Bonn-Beuel der Deutschen Presse-Agentur. «In der Höhe verändern sich die Luftdruckverhältnisse, da sitzt die Luft im Darm lockerer und kann entweichen», erklärt sie. Das passiere zwar auch am Boden mehrmals am Tag, oft unbemerkt. «Aber wenn man im Flieger im eigenen Duft sitzt, merkt man es womöglich eher.» Und womöglich auch die Sitznachbarn.

«Lass ihn fahren»

Eine Forschergruppe aus Dänemark hat dieses Phänomen schon einmal wissenschaftlich betrachtet. Ihr Fazit, wenn die Winde im Gedärme zu arg drücken: «Lass ihn fahren» - und daran hält Erstautor Hans-Christian Pommergaard heute noch fest. Der dänische Chirurg mit Schwerpunkt Leber arbeitet in Kopenhagen. Die Studie sei damals durchaus mit einem humoristischen Touch entstanden. «Aber alles darin ist faktisch korrekt. Wir haben aus wissenschaftlichen Studien zitiert», sagt er der dpa. 

In ihrem Papier, das 2013 in der Fachzeitschrift «New Zealand Medical Journal» (NZMJ) erschien, haben die Autoren neben dem Fahrenlassen noch einen anderen Vorschlag gemacht: Aktivkohle in den Flugzeugsitzen. «Wir nutzen Aktivkohlefilter bei Patienten mit Stoma, also künstlichem Darm- oder Harnausgang, um Gerüche zu absorbieren», sagt Pommergaard. 

Der Unterwäsche-Pups-Test

Dass Aktivkohle sehr effektiv ist, um Pupsgerüche zu neutralisieren, haben US-Forscher schon einmal bei einem Test mit Unterhosen nachgewiesen. Sie füllten den Darm von Freiwilligen über einen Schlauch mit Gasen, wie sie üblicherweise dort vorkommen, und erfassten dann die Pupser. Das Ergebnis: «Das einzige Produkt, das praktisch alle Schwefelwasserstoffgase adsorbierte, waren Slips aus einem Gewebe aus Aktivkohlefasern», schrieben sie 2005 im «American Journal of Gastroenterology» (AJG).

Die Sache mit der Aktivkohle in den Sitzen hält man beim Flugzeughersteller Airbus aber für überflüssig. «Die Kabinenluftzirkulation ist bereits so ausgereift, dass sie solche Maßnahmen nicht erfordert», sagt eine Sprecherin auf Anfrage.

Airbus-Ingenieur Bruno Fargeon erklärt in einem Video, dass Luft im Flugzeug alle zwei bis drei Minuten ausgetauscht wird, mit Frischluft und gefilterter Luft. Von Pupsproblemen spricht er nicht direkt. Er fasst es so: «Der Luftstrom wird von oben nach unten optimiert, um stagnierende Luft zu entfernen und die Ausbreitung der Luft über die verschiedenen Sitzreihen hinweg zu begrenzen.»

Rat: Wenig Luft schlucken

Die Lufthansa beschäftigt sich nicht mit dem Phänomen Pupsen an Bord. «Zu diesem Thema ist uns nichts bekannt», teilt sie auf Nachfrage mit. Bei Turkish Airlines wird das Thema ausführlich beleuchtet. Auf ihrer Webseite gibt die Airline Tipps, wie man selbst vorbeugen kann: Kräutertee statt Koffein vor dem Fliegen, oder langsam essen und trinken. «Zu viel Luft zu schlucken, kann zu Blähungen führen.» 

Gastroenterologin Birgit Terjung rät: «Lieber nicht am Flughafen noch eine Pizza oder einen Burger essen, das liegt schwer im Magen, da muss der Verdauungsprozess mehr angekurbelt werden.» Und das bedeutet: mehr Gase. Kohlensäurehaltige Getränke können mehr Luft im Darm verursachen, Alkohol lähme den Verdauungsprozess. «Tomatensaft ist kein Problem», sagt Terjung.

Pommergaard und Kollegen haben sich in der Studie - wie gesagt, mit dem humoristischen Touch - auch mit dem Dilemma des Piloten befasst. «Wenn er einen Furz zurückhält, könnte das seine Konzentration schmälern und seine Fähigkeit, das Flugzeug zu kontrollieren, beeinflussen», schreiben sie. «Andererseits, wenn er furzt, könnte der Copilot durch den Geruch beeinflusst sein, was auch die Sicherheit an Bord reduzieren könnte.» 

Das Dilemma der ersten Klasse

Sie haben auch Trost für die Economy Passagiere parat: In der ersten Klasse sei die Lage womöglich noch schlimmer. Anders als die einfachen Sitze «hinten» würden die Ledersitze vorn den Furz abstoßen und könnten nichts absorbieren. 

Terjung rät: öfter mal im Gang auf- und abgehen, bei Druckgefühl den Bauch von links nach rechts massieren.» Und wenn es nicht hilft? Sie hält es mit Pommergaard: «Let it go, just do it.»


Bildnachweis: © Oliver Berg/dpa
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