26. Februar 2025 / Aus aller Welt

Buch gefälscht, um Plagiat vorzuwerfen? Prozess vor dem Ende

Er soll ein wissenschaftliches Buch gefälscht haben, um einen Rechtsmediziner als Plagiator zu diskreditieren. Nun geht der Prozess gegen den 70-Jährigen auf die Zielgerade.

Der Angeklagte soll aus Rache großen Aufwand betrieben haben. (Archivbild)
Veröffentlicht am 26. Februar 2025 um 04:30 Uhr

Gehörte ein im Ausland aufwendig gefälschter wissenschaftlicher Aufsatz zu einem perfiden Racheplan? Vor dem Münchner Amtsgericht könnte heute ein bemerkenswerter Prozess zu Ende gehen. Geplant ist das Plädoyer der Verteidigung - danach stünde dann nur noch das Urteil aus.

Staatsanwaltschaft und Nebenklage hatten in ihren Plädoyers zwei Jahre und zehn Monate Haft für den Mann gefordert, der versucht haben soll, den Leiter der Münchner Rechtsmedizin mit einem aufwendig gefälschten Plagiat zu diskreditieren. Dafür soll er Helfer in Pakistan angeheuert haben, die einen Beitrag in einem Band zu einem rumänischen Kongress gefälscht haben sollen. Die danach erhobenen Plagiatsvorwürfe sollten den Leiter des rechtsmedizinischen Instituts der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität, Matthias Graw, treffen, so der Vorwurf.

Dem Angeklagten werden unter anderem Urkundenfälschung, Verleumdung und Betrug vorgeworfen. Bei einer Freiheitsstrafe von mehr als zwei Jahren ist eine Aussetzung zur Bewährung nicht mehr möglich. 

Das Urteil hatte sich mehrfach verzögert. Eigentlich hatte das Gericht es schon am 6. Februar sprechen wollen, was aber wegen eines noch offenen Befangenheitsantrages gegen den Richter zunächst nicht möglich war. Auch beim Ausweichtermin am 18. Februar kam e nicht zur Urteilsverkündung. Die Verhandlung wurde wegen Krankheit des Richters kurzfristig abgesagt. Über den Befangenheitsantrag wurde bislang noch nicht entschieden. 

Staatsanwältin: «heimtückische Machenschaften»

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 70-Jährige «mit unvergleichlicher krimineller Energie» eine Intrige gegen den Rechtsmediziner gesponnen hatte. Die Staatsanwältin sprach in ihrem Plädoyer von «hinterhältigen, heimtückischen Machenschaften», deren Ziel es gewesen sei, «die Existenz des Geschädigten restlos zu vernichten». 

Die Vorwürfe gegen den Angeklagten hält die Staatsanwaltschaft durch den Prozess «in vollem Umfang für bestätigt». Der Tatvorwurf sei «glasklar nachzuweisen». 

Vorwurf: Wissenschaftlichen Sammelband gefälscht

Laut Staatsanwaltschaft hatte der Angeklagte von Ghostwritern ein Buch verfassen lassen, das so wirken sollte, als handle es sich tatsächlich um einen wissenschaftlichen Sammelband aus den 1980er Jahren zu einem Medizinerkongress in Rumänien. Darin seien gezielt Passagen aus der Doktorarbeit des Rechtsmediziners eingebaut worden. So habe der Eindruck entstehen sollen, Graw habe für seine Dissertation abgeschrieben. 

Eigens gedruckte Exemplare des Bandes ließ der Angeklagte - selbst Träger zweier Doktortitel - den Ermittlungen zufolge dann auf einer Auktionsplattform im Internet versteigern. Zudem soll er Plagiatsjäger beauftragt haben, die er explizit auf das Buch hinwies. Diese gingen am Ende mit ihren Ergebnissen eines vermeintlichen Plagiatsskandals an die Öffentlichkeit und informierten die Universität Hamburg, die ein Prüfverfahren einleitete.

Rache als Motiv?

Als Motiv des Angeklagten vermutet die Staatsanwaltschaft Rache. Er habe sich am Rechtsmedizinischen Institut dafür rächen wollen, dass seine Mutter nach ihrem Tod im Jahr 2020 gegen seinen Willen obduziert worden war. Die Staatsanwaltschaft hatte damals Ermittlungen aufgenommen, um zu klären, woran die Frau gestorben war. Diese Ermittlungen wurden nach Angaben einer Sprecherin der Behörde allerdings schon 2021 eingestellt.

Die beiden Anwälte des Angeklagten hatten in einigen ihrer zahlreichen Anträge die Vermutung nahegelegt, dass es sich bei dem fraglichen Buch um den Nachdruck eines tatsächlich existierenden Buches handeln könnte. Schließlich sei nur eine Zahlung von 3.500 Euro nachgewiesen - und das sei für eine solch aufwendige Fälschung doch etwas wenig.


Bildnachweis: © Matthias Balk/dpa
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