13. August 2025 / Aus aller Welt

Anders gehen bei Knie-Arthrose könnte helfen

Geschwollene Gelenke, die bei jeder Bewegung schmerzen: Fünf Millionen Deutsche haben Beschwerden durch Arthrose. Forscher haben einen neuen Ansatz zur Gelenkschonung weiterentwickelt.

Irgendwann geht es für viele mit Arthrose nicht mehr ohne - nicht ohne Schmerzen, nicht ohne Gehilfe. (Symbolbild)
Veröffentlicht am 13. August 2025 um 04:30 Uhr

Arthrose-Betroffene können einer Studie zufolge durch eine leichte Anpassung ihres Gangs das Fortschreiten ihrer Erkrankung verlangsamen. Die laut der Co-Leiterin der im Fachblatt «The Lancet Rheumatology» erschienenen Studie, Valentina Mazzoli, «einfache und relativ kostengünstige Möglichkeit zur Behandlung von Arthrose im Frühstadium» könne die Belastung der Knie reduzieren – auch mit positiven Folgen für das Schmerzempfinden. 

In Deutschland haben laut Deutscher Arthrose-Hilfe etwa fünf Millionen Menschen Beschwerden durch Arthrose. Bei dieser Erkrankung baut sich das Knorpelgewebe im Gelenk ab. Ist der schützende Knorpel zerstört, führt das zu starken Schmerzen. Betroffene können das Knie nicht mehr richtig belasten, treiben oft weniger Sport und sind im Alltag eingeschränkt.

Arthrose tritt meist mit zunehmendem Alter auf und lässt sich nicht heilen. Behandelt wird mit Physiotherapie, Schmerzmitteln und in den schwersten Fällen mit einer Kniegelenkersatz-OP. Hilfreich ist laut der Arthrose-Hilfe Bewegung ohne Belastung, «da dadurch der Gelenkknorpel besser ernährt wird, und das Fortschreiten der Arthrose sich verlangsamt». 

Das hat auch eine Übersichtsstudie eines Forscherteams des First People’s Hospital of Neijiang (China) im Fachjournal «PLOS One» kürzlich bestätigt: Neben Knieorthesen waren Wassergymnastik und andere Bewegungsformen die vielversprechendsten nichtmedikamentösen Therapien. Das Ergebnis wurde aus 139 Studien mit insgesamt fast 10.000 Patienten zusammengetragen. 

Veränderungen über ein Jahr beobachtet

Das Team um Valentina Mazzoli mit Forschern des Klinikums Langone Health der New York University sowie der Universität von Utah und Stanford hat nun untersucht, ob konkret eine Veränderung der Fußposition beim Gehen die Belastung des Gelenks verringern kann. 

Dafür wurden 34 Männer und Frauen mit leichter bis mittelschwerer Kniearthrose angeleitet, ihre Füße abweichend von ihrer natürlichen Ausrichtung um fünf oder zehn Grad verändert nach innen oder außen abzuwinkeln. Bei jedem Teilnehmer wurde geprüft, welche Fuß-Stellung zu ihm individuell passt. 34 weitere Betroffene erhielten unwissend eine Anleitung ohne Veränderungsvorschläge. 

Sie alle sollten mindestens 20 Minuten täglich entsprechend laufen, schreiben die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift «The Lancet Rheumatology». Über ein Jahr lang wurden Vergleiche gezogen, kontrolliert wurden die Auswirkungen des veränderten Gangs auf das Knie zum Ende mit MRT-Scans. 

Schmerzempfinden reduziert

Die Resultate deuten darauf hin, dass bei den Probanden, die ihre Fußstellung korrigierten, der Abbau des Knorpels an der Innenseite des Knies verlangsamt wurde. «Obwohl unsere Ergebnisse in zukünftigen Studien bestätigt werden müssen, legen sie die Möglichkeit nahe, dass die neue, nichtinvasive Behandlung dazu beitragen könnte, eine Operation hinauszuzögern», wird Mazzoli laut Mitteilung zitiert. 

Außerdem reduzierte sich den Probandenangaben zufolge der Schmerz auf einer Zehn-Punkte-Skala um 2,5 Punkte. Laut Mitteilung ist das ein «Effekt, der dem von rezeptfreien Schmerzmitteln entspricht».

«Diese Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig eine personalisierte Behandlung statt eines Einheitsansatzes bei Arthrose ist», erläuterte Co-Studienleiterin Mazzoli. «Diese Strategie mag zwar schwierig klingen, doch dank der jüngsten Fortschritte bei der Erkennung der Bewegung verschiedener Körperteile mit Hilfe künstlicher Intelligenz könnte sie einfacher und schneller als je zuvor werden.»


Bildnachweis: © Fabian Sommer/dpa
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